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Schröder Vermittler? Spinnerte Idee von Putin?

15 Mai
15. Mai 2026

651/Mai 2026
Guten Tag,

Alle Kommentatoren hierzulande sind sich einig: Gerhard Schröder als Vermittler im Krieg Russlands gegen die Ukraine ist eine Schnapsidee von Wladimir Putin. Ich halte die Absage aber für vorschnell. Die Ukraine hätte ihrerseits einen Vermittler vorschlagen sollen. Da gibt es genug seriöse Namen, in Deutschland beispielsweise Wolfgang Ischinger. Dann gäbe es zwei Möglichkeiten: Putin zieht zurück und ist blamiert. Oder: Putin geht darauf ein, dann beginnt ein ernsthafter Prozess. Idee: Beide Vermittler müssen sich auf einen Vorschlag einigen. Zu dem äußern sich beide Kriegsparteien. Dieses Vorgehen kennt man aus festgefahrenen Tarifverhandlungen. Eine noch bessere Variante wäre, dass sich beide Kriegsparteien vorab öffentlich bereit erklären, den Schiedsspruch zu akzeptieren. So käme man zu einem Friedensschluss, der gesichtswahrend wäre.
Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge

Verfassungsschutz keine Zweigstelle des Bundesverfassungsgerichts. Danke Wolfgang Weimer

07 Mai
7. Mai 2026

350/Mai 2026

Guten Tag, es fällt schon auf, dass zwei Minister im Merz – Kabinett durchgängig abgewatscht werden: die Ministerin Reiche und der Minister Weimer. Beide sind CDU und beide sind durch marktwirtschaftliche Orientierung (die Wirtschaftsministerin) und konservative Akzente in der Kulturpolitik (der Kulturminister) ein doppeltes Ärgernis. Die Wucht der Kritik aus den Medien und der Opposition im Bundestag lässt zwei gegenteilige Schlüsse zu: Die Minister sind ungeeignet und sollten abgelöst werden oder die Minister liefern überfällige Korrekturen in der Wirtschafts und Kulturpolitik und sind deswegen im Visier. Im zweiten Fall sollten CDU/CSU beide nachdrücklich stützen und verteidigen.
Warum Weimer der Demokratie meiner Meinung nach einen guten Dienst erwiesen hat, habe ich in einem Leserbrief an die ZEIT verdeutlicht, den die Zeit in der letzten Ausgabe übernommen hat. Hier ist er:

Geehrte Zuständige,
die faire Reportage über Wolfram Weimer bedarf einer Ergänzung. Vermutlich, ohne es zu wollen, hat Weimer mit seiner Entscheidung, drei Buchhandlungen nicht mit Preisgeld zu versehen, eine Entmystifizierung des Verfassungsschutzes vorgenommen. Geholfen hat der breite Protest der Kulturschaffenden gegen die Nutzung von Erkenntnissen dieser Behörde. Als Ergebnis dieser Debatte wird man die Verfassungsschutzbehörde nicht länger als Zweigstelle des Bundesverfassungsgerichts einstufen können. Der Dank gilt Wolfram Weimer.

Mit herzlichen Grüßen
Henning v.Vieregge

Rentner wollen auch tausend Euro. Hallo, hallo Friedrich Merz, Lars Klingbeil bitte melden

22 Apr.
22. April 2026

349, April 2026
Guten Tag,
in der AZ, der Lokalzeitung in Mainz und Umgebung, fand ich heute einen Leserbrief von mir.
Es geht um das 1000 Euro Geschenk, das die Regierung der arbeitenden Bevölkerung versprochen hat. Der Trick dabei ist folgender: Sie geben eine Lokalrunde aus und gucken sich jemanden aus, der die Lokalrunde bezahlen soll. Sie haben nur die Idee gehabt. Zur Verwunderung der scheinbar großzügigen Geber melden sich nun die eigenen Beschäftigten. Und was ist mit uns? Und was ist mit uns, den Rentnern? Friedrich Merz, Lars Klingbeil, bitte melden.

Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge
Zwei Nachrichten führen zu einer Forderung. Nachricht eins: Die Bundesregierung ermöglicht den Arbeitgebern, steuerfrei bis zu 1000 € Kostenausgleich an die Beschäftigten zu geben. Nachricht zwei: Die Gesundheitsministerin stellt ihre Überlegungen zur Einsparung im Gesundheitssystem vor. Dabei trifft es insbesondere auch ältere Menschen, weil bestimmte medizinische Leistungen nicht mehr übernommen werden sollen und zudem die Gebühr für Medikamente deutlich erhöht werden soll. Vermutlich kommen noch weitere Belastungen hinzu. Während die Unternehmen darauf hinweisen, dass sie diese ihnen aufgezwungene Sonderleistung nicht oder nur teilweise zahlen können, fordern Vertreter der Beamten die Prämie in voller Höhe für alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst. An keiner Stelle ist bisher von den Rentnern die Rede. Treffen sie die Preiserhöhungen nicht? Oder werden sie vergessen, weil sie sich nicht als mächtige Lobbygruppe organisieren und Druck auf die politischen Entscheider ausüben können? Halten wir fest: Rentner sind von den Preiserhöhungen überdurchschnittlich betroffen. Sie sollten, gestaffelt nach der Höhe der Rente, ebenfalls einen Kostenausgleich erhalten. Wenn staatlicherseits gesagt wird, das könne man nicht finanzieren, dann ist die Forderung der gleichen Akteure, die Unternehmen sollten zahlen, eine schädliche Schnapsidee.

Warum ist Polio immer noch nicht ausgerottet?

05 Apr.
5. April 2026

348/April 2026
Guten Tag,

Warum ist der Kampf gegen Polio wieder aktuell? Tim Sparwasser, Poliobeauftragter des Clubs RC Mainz Aurea Moguntia und Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Mainzer Universitätsklinik lieferte unlängst in einem Statement aus Anlass eines Konzertabends zugunsten der Aktion die Begründung:
„Das Engagement von Rotary bei PolioPlus ist gerade jetzt wichtig, weil Polio dort zurückkommt, wo Krieg Gesundheitssysteme zerstört: In Gaza lief 2025 erneut eine Notfallkampagne, nachdem Polioviren wieder im Abwasser nachgewiesen wurden und Hunderttausende Kinder geschützt werden mussten.

Es ist auch wichtig, weil Konfliktzonen und fragile Nachbarregionen die Eradikation des Virus verhindern: Die Ukraine musste ihre Polio-Response trotz Krieg weiter stärken, und Iran bleibt nur deshalb poliofrei, weil an der Grenze zu Afghanistan und Pakistan harte Surveillance und Laborfähigkeit aufrechterhalten werden; Afghanistan und Pakistan sind weiter die letzten Länder mit endemischem Wildpoliovirus.

Und es ist gerade jetzt wichtig, weil globale Koordination und Finanzierung politisch unter Druck geraten: Die WHO erklärte nach der formalen US-Rückzugsnotifikation im Januar 2026 ausdrücklich, dieser Schritt mache die Welt weniger sicher, also müssen Programme wie PolioPlus die entstehende Lücke umso entschlossener schließen“

Seit 1985 unterstützt Rotary International mit allen Clubs weltweit das Programm, zuletzt unter dem Slogan „End Polio Now“. Unter Führung der WHO spendet auch die Melinda und Bill Gates Stiftung seit Jahren beträchtliche Mittel. Es ist zu befürchten, dass die Unruhen und Kriege weltweit die endgültige Ausrottung, die schon zu 99 Prozent geschehen war, verzögert.

Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

Brief aus Abu Dhabi

04 März
4. März 2026

347/März 2026
Guten Tag,
Wir hängen fest. Einen Tag früher und wir hätten die Vereinigten Emirate ganz normal verlassen können. Ein Freund hatte noch gesagt, hoffentlich greifen die Amerikaner den Iran nicht an. Das war vor drei Wochen. Er hatte Saudi-Arabien und die Emirate besucht und hatte dabei offenbar ein besseres Lagebild über die Situation erhalten als wir in Deutschland. Unsere Medien hatten über die fortschreitend positiven Gespräche zwischen den USA und Iran in Sachen Atomkontrolle berichtet. Man sei kurz vorm Durchbruch.
Unser Aufenthalt verlängert sich nun mindestens um eine Woche. Meine Tochter wohnt mit Blick auf den Arabischen Golf, die Iraner sprechen vom Persischen Golf. Irgendwo dahinter liegt Iran, die kürzeste Entfernung beträgt 336 km. Nachts, seltener am Tag, hören wir ein Wummern, eigentlich nur einen kurzen Bums. Wir lernen, dass dies ein gutes Geräusch ist: Der Abwehr ist es gelungen, eine Rakete oder eine Drohne abzuschließen. Ein amerikanisches System namens Thaad, besser als das Patriot System, wie stolz berichtet wird, scheint effizient zu funktionieren. Jenes Patriot System, dass die Ukraine so gerne hätte und wir nicht liefern, ist hier schon veraltete Technologie. Die transparente Berichterstattung der offiziellen Stellen schafft Vertrauen. Demnach wurden (letzter Zwischenstand) 186 ballistische Raketen bisher entdeckt und 172 erfolgreich abgefangen. Die anderen fielen ins Meer. Eine landete im Land ohne große Schäden zu verursachen. 812 Drohnen wurden entdeckt, 755 abgefangen, 57 sind innerhalb der VAE abgestürzt oder gelandet. Acht Kreuzflugkörper wurden erkannt und zerstört.
Was wir von den deutschen und englischen Medien mitbekommen, ist Panikmache. Read more →

Warum es falsch ist, mit Arroganz die Demokratie zu verteidigen.

25 Feb.
25. Februar 2026

346/Februar 2026
Guten Tag,

Mariam Lau hat in der ZEIT vom 5. Februar 2026 ein lesenswertes Portrait über den AfD Co-Vorsitzenden Timo Chrupalla geschrieben. Darin berichtet sie, dass Chrupalla in Maischberger Talkshow das Wort „Metapher“ in etwas fragwürdigem Zusammenhang benutzte, worauf der frühere Sozialminister Heil zu seinem Diskussionspartner sagte: „Sie können das Wort Metapher ja nicht mal definieren.“
Mich würde interessieren, ob Hubertus Heil es inzwischen für geboten hält, sich bei Timo Chrupalla für sein Benehmen zu entschuldigen. Oder ob er findet, dies sei ein legitimer Beitrag zur Verteidigung unserer Demokratie. AfD- Menschen seien schließlich Feinde und nicht Gegner. Das Resultat solchen Verhaltens, schreibt Lau, ist Wut bei der AfD, die die Reihen in dieser eigentlich disparaten Partei geschlossen hält.
Heils Verhalten ist nur ein Beispiel für eine Brandmauer-Mentalität, die im persönlichen Umgang auf Arroganz setzt. Ist es nicht möglich, sich politisch zur AfD abzugrenzen, aber sich dabei aber im persönlichen Umgang anständig und fair zu verhalten, ganz so, wie man selber behandeln werden möchte? Das wäre meiner Meinung nach nicht nur ethisch geboten, sondern auch taktisch klug.
Mit herzlichen Grüßen
Henning von Vieregge

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