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Nr.358/November 2026
Guten Tag, als komm. ASTA-Vorsitzender in Köln habe ich mal eine Studentendemondstration organisiert. Die Beteiligung war OK, aber keine Zeile in den Kölner Gazetten. Nachfrage, Antwort „Da sind ja keine Steine geflogen“. Das Beispiel Frankreich heizt weltweit sogenannte oder auch tätsächliche Schülerproteste an.Die Medien vergleichen mit den Streiks in Frankreich, Gewalt und Plünderung inklusive. Ein Fehler. Notwendig wäre eine andere Diskussion:
Nicht zur Bundeswehr? Schafft endlich das Pflichtjahr>
Jugendliche der Generation Z, also heute 14 bis 29 Jahre alt, wollen mit ihrem Protest die Priorität Bildung auf der politischen Agenda hochstufen. So verstanden ist das nicht nur legitim, sondern notwendig. Mit im Protestgepäck ist das Nein zur Pflicht in der Bundeswehr zu dienen. Dazu passend ein Gespräch mit einem Jugendlichen, der das Freiwillige Jahr absolviert. Er meint, viele seiner Generationsgenossen wüssten nicht recht, was sie nach dem Abitur bis zum Studienbeginn tun sollen. „Sie gammeln herum“, war seine Aussage. Warum, frage ich zum wiederholten Mal und weiß mich in einer parteiübergreifenden Gruppe in dieser Frage einig, wird nicht endlich das soziale Jahr für alle eingeführt? Warum isoliert der Dienst in der Bundeswehr? Warum trifft es nur einige? Die Einführung eines Pflichtjahres für beide Geschlechter mit der Wahlmöglichkeit mit und ohne Waffe wäre gerecht und eine Chance, das Verständnis für alle Lebenswelten zu verbessern. Bringt man das Thema, wird es von der Politik so verkompliziert, dass es flugs wieder nach hinten verschoben wird: Machen wir irgendwann. Ich wünsche vom Bundespräsidenten, der für ein Gesellschaftsjahr (die Begriffe variieren) ist, dass er dieses Thema seiner Nachfolgerin warm ans Herz legt. Es muss kommen.
Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge
357/2026
Guten Tag,
der Eine oder Andere von Ihnen weiß , dass ich entlang meines Lebens-Laufs Bücher geschrieben habe.( Veröffentlungen hier auf der Homepage) Zwei neue Bücher sollen demnächst erscheinen. Das überarbeitete und erweiterte „Neustart mit 60-Anstiftung zum dynamischen Ruhestand“ soll ab Ende Oktober erhältlich sein. Zweitens ein Buch mit Gesprächen, die ich mit Menschen hohen Alters (85 plus) geführt habe. Der Titel steht noch nicht fest.
Der folgende Text stammt aus dem neuen Neustart-Buch.
Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge
Länger leben bedeutet auch: länger aktiv sein. Wie gelingt der Übergang in den Ruhestand? Erfahrungen und Interviews zeigen, warum Vorbereitung hilft – und warum es nie nur einen richtigen Weg gibt
Klaus Dörner, nachdem er ein erfolgreiches Berufsleben hinter sich hatte, beschrieb seinen Übergang so: „Ich fand mich im sozialen Niemandsland des sozialen Lebensabschnitts ohne Rollenerwartungen wieder und brauchte zwei Jahre Versuch und Irrtum, um einen zu mir passenden Rhythmus zu finden.“
Ich will erläutern, warum Dörner von fremdem Terrain spricht und warum man sich, Dörner widersprechend, vorbereiten kann. Neu ist die durchschnittliche Lebenserwartung hierzulande. Sie ist höher als je zuvor. Damit ist die Lebensstrecke deutlich länger und dies bei zunächst guter, später gedeihlicher und schließlich in Maßen erträglicher Gesundheit.
Es gibt nicht mehr „das“ Alter
Die Sicht auf die durchschnittliche Gesundheitsentwicklung lässt mich von der zumeist vertretenden Zweiteilung des Alters zu einer Dreiteilung kommen: Erstens das fitte Alter, am besten illustriert durch den Spruch „75 ist das neue 60“. Allerdings gibt es eine Klippe, die unterschiedlich hoch ist: Der Übergang von der Vollbeschäftigung in die Zeit danach kann schwierig sein. Zwischen 75 und 85 folgt das mittlere Alter, und die dritte Phase nennt man am besten das hohe Alter. Die Generation der 68er und der Babyboomer (international eine Generation, die Jahrgänge 1944–1964) sind die ersten, die diese Phasen durchlaufen. Die frühen Babyboomer befinden sich aktuell am Ende von Phase eins und müssen sich fragen, ob sie die historisch neue Chance, ein gutes erfülltes Leben im fitten Alter zu führen, genutzt haben oder ob sie die Jahre verläppert haben.
Was den Übergang noch zusätzlich erschwert, ist die Tatsache, dass in nicht wenigen Fällen die letzten Jahre oder Monate im Job durch Attacken von Vorgesetzten verleidet wurden. Die Absicht war zumeist, den Betreffenden vorzeitig zum Aufgeben zu bringen. Erst wenn man sich von der quälenden Frage „warum ich?“ gelöst hat, ist der Weg frei für den Neuanfang. Da ist es hilfreich, wenn man es macht wie jener Manager, der aufgrund von Umstrukturierungen vorzeitig gehen musste. „Ich habe mich an einen imaginären Fluss gesetzt und beobachtet, wer alles vorbeitrieb. Da habe ich gesehen, ich bin kein Einzelfall. Das hat mich ungemein getröstet und mir Kraft gegeben für den Neuanfang.“ Jemand anders ist bis Santiago de Compostela gewandert und hat nach vielen Selbstgesprächen auf dem langen Weg sich vom Schatten des vermeintlichen Scheiterns in seiner Berufskarriere gelöst.
Der Autor dieser Zeilen hat Generationsgenossen ausgiebig interviewt. Und nach zwölf Jahren erneut. Ergebnis: Auch wer keine Pläne hatte, kam für sich zufriedenstellend bis überaus glücklich zurecht. Allerdings ist hier eine Relativierung dieser Aussage notwendig. Die von mir Befragten hatten keine oder keine ernsthaften finanziellen Probleme. Nahezu niemand folgte dem Vorbild früherer Generationen und trat in den vollständigen Ruhestand ein. Und es gab mindestens eine Negativabgrenzung bei allen Männern: Lohse vermeiden.
Also den Direktor Heinrich Lohse aus Loriots Film „Pappa ante Portas“, mittlerweile seit 35 Jahren auf dem Markt. Insoweit hat Loriot mit seinem klugen amüsanten Film mehr erreicht als alle Ratgeberbücher. Man beobachtet sich, man beobachtet Nachbarn. Und die Kinder guckten ebenfalls durch die Loriot-Brille auf den Altvorderen „Du bist jetzt gerade wie Loriot“, heißt es dann.
Bei manchen Geschichten, die bei den Interviews erzählt wurden, konnte man auch gar nicht anders als an Loriot zu denken. Ein Beispiel: Jemand hat einen Nachbarn beobachtet: „Ich habe einen ehemaligen Kollegen, der geht viermal am Tag mit dem Hund raus. Ansonsten hilft er seiner Frau, er beriet sie beim Einkaufen, beim Umgang mit dem Haushaltsgeld. Die beiden liegen sich nur in der Wolle, seit er den ganzen Tag zu Hause ist. Das passiert, wenn man nichts anderes zu tun hat.“ Das Leben ist Loriot und Loriot ist das Leben. Wie lange der Lohse noch die Diskussionen von Menschen im Übergang prägen wird, sei dahingestellt. Bei den Babyboomern, den frühen und den späten, ist er voll präsent.
Was 75-Jährige raten
Ich habe Generationsgenossen am Ende von Phase eins ihrer Alterszeit gefragt, ob sie einen Plan beim Übergang von der Vollbeschäftigung in die Phase danach hatten. Aus den Antworten lassen sich drei unterschiedliche Wege benennen, die eingeschlagen wurden.
Weg 1: „Es gab einen einfachen Plan, nämlich Abstand zum bisherigen Berufsleben zu halten.“ Das gilt für einen Chefarzt, dem alle, die ihn kannten, prognostizierten, der könne nie loslassen. Er konnte, indem er einen Faden aus dem früheren Leben aufnahm. Bevor er sein Medizinstudium begonnen hatte, hatte er ernsthaft überlegt, Maler zu werden. Nun konnte er Maler sein.
Weg 2: Die Gegenposition lautet „Weiter so, vielleicht mit etwas weniger Zeitaufwand.“ Bei manchen Berufen bietet sich das geradezu an, zum Beispiel bei Hochschullehrern, Journalisten, Rechtsanwälten, Psychotherapeuten. Sie gleiten in dem von Ihnen gewünschten Tempo aus dem Beruf. Was auch häufig gewählt wird, ist der Berater-Beruf. Allerdings geben einige diese Tätigkeit doch bald wieder auf, weil ihnen die Anforderung, Dienstleister zu sein und keinen Anspruch auf Berücksichtigung ihrer Empfehlung zu haben, doch zu schaffen macht.
Weg 3: Eine dritte Position heißt: „Ich hatte keinen Plan, aber eine Idee“. Man wollte aktiv bleiben, aber nicht mehr im alten Beruf. Die meisten Befragten hatten offenbar ihren Weg gefunden.
Bei aller Zurückhaltung Ratschlägen gegenüber, lassen sich doch folgende fünf Empfehlungen herausziehen:
1. Es ist vorteilhaft, sich während der Berufszeit außerberuflich in Themen zu engagieren, die einem wichtig sind. Das erleichtert den Übergang.
2. Auch wenn man noch nicht weiß, mit was man sich beschäftigen will, ist eine Übersicht über die Finanzsituation empfehlenswert.
3. Man kann Pläne haben, aber man sollte offenbleiben, sie zu ändern. Besser ist es, bereit zu sein, sich auf einen Prozess einzulassen.
4. Wenn man mit dem beruflich Erlernten weitermachen möchte, sollte man rechtzeitig daran denken, die Kontakte zu „privatisieren“ und sich über Formate, in denen man tätig bleiben möchte, zu informieren.
5. Auch bürgerschaftliches Engagement fällt nicht vom Himmel. Gut ist es, an interessierenden Aufgaben schon während des Berufslebens teilzunehmen. Dann lässt sich draufsatteln. Das gilt auch für Rotary. Wer ein Vorbild sucht, dem kann geholfen werden: Hinrich Eylers, 90, vom RC Eschborn: Ein Daueraktiver, der aus Altersgründen in seinem jungen Club nicht Präsident werden wollte. Sein Club hat ihn kürzlich zum Ehrenpräsidenten ernannt, eine wunderbare Idee.
Fazit
Beim Rückblick auf die erste Phase der Altersfreizeit lässt sich ein hohes Maß an Kontinuität beobachten. Auch der scheinbar völlige Neuanfang ist bei näherer Betrachtung ein altes Thema. Oder wie es einer der befragten Theologen formulierte: „Alle Aktivitäten, die nach dem Beruf eines Lebens ausfüllende Rollen spielen, waren vorher Grund gelegt: Musik, Schiff, schriftstellerische Aktivitäten“. Natürlich fällt nicht jeder Rückblick euphorisch aus. Auch hierzu eine Stimme aus den Interviews: „Die Gedanken, ob das alles so seine Richtigkeit habe, ob ich denn genug aus meinen Möglichkeiten, aus meinen Fähigkeiten herausgeholt habe, ob ich nicht gegenüber der Gesellschaft eine Bringschuld habe (Ehrenamt), diese Gedanken umkreisen mich erst jetzt wirklich, am Ende meiner 70er-Jahre.“ Ein dritter erinnert sich an seinen Übergang. Mit seinen Erfahrungen schließt sich der Kreis zu den zwei Jahren Versuch und Irrtum des Klaus Dörner: „Der Leib scheint langsamer und verwirrter auf den Ausstieg zu reagieren als die freudig erwartungsvolle Seele“. Man sollte sich also Zeit lassen, um Abstand zu gewinnen zum Bisherigen und Klarheit über das Zukünftige zu erlangen.
356/August 2026
Guten Tag, Michael Weißenborn von der Stuttgarter Zeitung hat mich per ZOOM interviewt.
Das Ergebnis ist lesenswert.
Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge
355/August 2026
Guten Tag,
ein lesenswerter Leserbrief meines Freundes Max Steinacher
Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge
https://npg-swp-webreader-production.twipemobile.com/data/10172/reader/reader.html?social#!preferred/0/package/10172/pub/16959/page/15/alb/4665808
355/ Juli, August
Guten Tag,
Fußballexperte Matthias Sammer rät der deutschen Nationalmannschaft, von der argentinischen Nationalmannschaft zu lernen. Offenbar geht er davon aus, dass die Rüpelart der Argentinier und einiger anderer Mannschaften bei der Weltmeisterschaft die Zukunft ist. Das Endspiel gegen Spanien war eine ununterbrochene Abfolge von Fouls und Theatralik bei angeblichen Fouls des Gegners. Nach Spielende wurde weiter gehauen und ein Schild hochgehalten, wonach Falkland zu Argentinien gehört. Spieler als politische Sendboten, strikt verboten und nicht geahndet. Der Schiedsrichter wurde ebenfalls gegen alle Regeln bei jeder Entscheidung von einem Trupp argentinischer Spieler umzingelt. Erlaubt ist, dass nur die beiden Kapitäne mit dem Schiedsrichter bei fraglichen Entscheidungen ihre Position vorbringen dürfen.
Was mich wundert: der Schiedsrichter (ebenso wie in vorherigen Spielen andere Schiedsrichter) ließ die Brutalisierung des Spiels, die sich deshalb steigerte und in regelrechte Keilereien insbesondere bei Ecken im Strafraum ausartete, zu wie ein Lamm unter wilden Tieren. Irgendwann gab es dann eine erste gelbe Karte, nach 40 Minuten viel zu spät, und irgendwann war eine gelb-rote Karte sehr zum Erstaunen der Argentinier, die sich zu wundern schienen, dass so etwas zulässig ist, unvermeidbar.
Könnte es sein, dass die Brutalisierung im Fußball und die zunehmende Regellosigkeit in der Kommunikation auf allen Ebenen der Gesellschaft bis hin zum amerikanischen Präsidenten einander bedingen? Für diesen Fall gibt es zwei Möglichkeiten: Es wird weiter gewütet und Regellosigkeit wird zur neuen Regel. Oder Es handelt sich um einen einmaligen Ausrutscher. Nötig sind dann aber auch Maßnahmen zur Regel-Einhaltung für eine Vielfalt ohne Wut und Häme. Im Netz und auf dem Feld. Auch eine Aufgabe für die hierzulande aktuell zu wenig wertgeschätzte Zivilgesellschaft; der Staat ist ebenso überfordert wie der DFB in seinem Zuständigkeitsbereich: Der Rückbau ist aufwendig, lang und mühselig, hier wie dort.
Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge
353/Juni, Juli 2026
Guten Tag, passend zum Wetter ein Schwimmbad-Thema.
KI informiert, dass es zwischen 6000 und 6500 öffentliche Frei- und Hallenbäder gibt, 5 bis 6 Prozent verantwortlich von Bürgern geführt und betrieben werden.Das wären 300 bis 360 Schwimmbäder bundesweit in Vereinsregie. Ki konnte auch meine Anschlussfrage beantworten, nämlich wie viele dieser vereinsgeführten Schwimmbäder so wie das in Mainz ansässige Mombacher Schwimmbad geschlossen wären, wenn Bürger nicht gerettet hätten. Laut KI (Gemini) beträgt die Quote 70 Prozent.200 bis 250 Schwimmbäder würden nicht mehr existieren. Im Fall Mombach kommt eine Besonderheit hinzu. Hier handelt es sich um ein Freibad und ein Hallenbad. Hallenbäder sind aus Kostengründen kaum zu retten. Und noch eine Besonderheit der Mombacher: Das Olympiabecken wird in den kalten Monaten mit einer Traglufthalle überdacht.KI schätzt, dass es zehn bis 15 solcher Bäder gibt, „eine absolute Rarität“. Ein wichtiger Gesichtspunkt: Vereinsgeführte Bäder „arbeiten drastisch günstiger als städtische Bäder“. Gründe: Personal preiswerter, Öffnungszeiten flexibler,ebenso bei Reperaturen.Mombach spart die Stadt jährlich eine Million, soweit ich weiß.
In Ergänzung zu einem Interview in der hiesigen AZ mit dem Geschäftsführer des Bades und Vereinvorsitzenden in er Person Torsten Traxel schrieb ich den beigefügten Leserbrief aus der Perspektive eines dankbaren Nutzers. Der Text wurde (bisher) nichjt gedruckt
Es ist mehr als angebracht, Torsten Traxel und seinem Team vom Mombacher Schwimmbad zu danken. Und das gleich mehrfach.
Erstens dafür , dass der Mainzer Schwimmverein 2005/2006 das Schwimmbad von der Stadt übernommen hat, die es schließen wollte. Was für ein unternehmerischer Mut!
Zweitens können Berufstätige kurz nach sechs ins Wasser und somit pünktlich im Büro sein. Also in schwierigen Zeiten nicht weniger Service, sondern mehr. Spezial auch für Ältere die Wassergymnastik und für die Schulen die Möglichkeit zum Schwimmunterricht.
Drittens ist das Schwimmbad in seinen rot-weißen Farben, mit seinen Pflanzen, die wie der eigene Garten gepflegt werden, mit seiner Wasserqualität und vor allem mit der Freundlichkeit seiner Beschäftigten zusammen genommen ein kleines Wunder. Um das über Jahre zu bieten, braucht es ein hochmotiviertes Team. Danke dafür.
Und viertens fällt noch etwas im Vergleich auf: Torsten Traxel und seine Leute investieren Jahr um Jahr . Es gibt keine Verlotterung und keinen Stillstand . Leider muss man sagen, dass ist nicht selbstverständlich im öffentlichen Raum.
Alles zusammen ist das Mombacher Schwimmbad ein ausgesprochener Glücksfall für Mainz.
Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge